Teil 1. Erste Begegnung.

Letzten Dezember kam ein Freund von uns zu Besuch. Gemeinsam machten wir uns auf, einige vielversprechende albanische Bergwerke zu erkunden.

Dieses Bergwerk wurde in den 1960er Jahren gegründet und 2025 geschlossen. Der aktive Abbau fand in den 1970ern statt, und Anfang der 1980er wurde der Hauptschacht abgeteuft. Seitdem wurden die Ausrüstung und die Abbaumethoden so gut wie nicht modernisiert. In den 1990ern und 2000ern stand das Bergwerk im Grunde still und verfiel.

Es gab eine Zeit, in der illegale Schürfer mit Spitzhacken hineinschlichen, Chromiterz abbauten und es an private Aufkäufer verkauften. Natürlich führte diese Art des Abbaus regelmäßig zu Verletzungen und Todesfällen unter diesen Schürfern. Man kann Nachrichtenartikel googeln über zwei Albaner, die in einen Erzfall stürzten — einer wurde auf der Stelle getötet, der andere war danach etwas neben der Spur. Oder über jemanden, der hineinging und nach einem Einsturz nie wieder herauskam.

Gegen Mitte der 2010er Jahre übernahm eine private Firma das Bergwerk und nahm den Betrieb wieder auf, wobei sie dem technischen Zustand des Geländes wenig Aufmerksamkeit schenkte. Der Abbau ging bis Mai 2025 weiter, als ein Bergmann auf einer der Sohlen von einem Einsturz verschüttet wurde. Daraufhin entzog die staatliche Aufsichtsbehörde die Lizenz und schloss das Bergwerk. Jetzt wird es langsam vom Grundwasser geflutet.

Am Standort angekommen und hinter einem der Betriebsgebäude geparkt, machen wir uns daran, die Oberfläche zu erkunden.

1. Fangen wir hinten an — bei der Halde. Hier wurden die Förderwagen entladen.

Schmalspurgleis, das über die Kippbrücke zur Bergehalde der Mine in den albanischen Bergen führt

2. Das Erz wurde über Drehkipper aus den Wagen geschüttet.

Kreiselwipper auf der Kippbrücke, wo die Loren auf die Halde entleert wurden

3. Ein Bagger sortierte das Erz und verteilte es auf Haufen. Die Haufen wurden bei Bedarf per LKW zur nahegelegenen Aufbereitungsanlage gefahren. Dort sitzt immer noch ein Wächter, deshalb zeige ich keine Fotos. Aber glaubt mir, es gibt dort nichts Interessantes. Das Erz wurde einfach vom Fluss, der durch die Anlage fließt, gewaschen und dann auf Lastwagen geladen. Das nahegelegene Dorf bezieht sein Trinkwasser aus genau diesem Fluss.

Radlader, der das Chromiterz auf der schwarzen Erde der Halde zu Haufen sortiert

4. Wie man so sagt: Wer Krebs fürchtet, sollte kein Albaner sein.

Kreiselwipper mit zwei gelben Scheiben mit den Nummern 1 und 2, das Gleis führt hindurch

5. Ein weiterer Drehkipper auf der gegenüberliegenden Seite der Halde.

Betonrolloch in der Stützmauer der Halde, darüber das Kippgleis

6. Gehen wir Richtung Portal.

Tagesanlage der Mine: Reihen von Fahrleitungsmasten, Schmalspurgleis und Betriebsgebäude

7. Ruhuni nga trolei — Vorsicht vor der Oberleitung.

Handgemaltes albanisches Warnschild Ruhuni nga trolei am Gleis zum Stollenmundloch

8. Förderwagen.

Reihe rostiger Erzloren auf dem Tagesgleis unter dem Fahrdraht

9. Hin und her.

Zwei Loren Puffer an Puffer auf dem Schmalspurgleis zwischen den Fahrleitungsmasten

10. POV: Du bist die Elektrolok.

Blick entlang eines Lorenzuges zur Tagesanlage, wie aus dem Führerstand der Lok

11. Und hier ist sie, die Elektrolok höchstpersönlich.

Gelbe Fahrdraht-Grubenlok mit angekuppelten Loren auf dem Tagesgleis der Chrommine

12. Schön.

Die Grubenlok der Mine mit offener Führernische und abgesenktem Stromabnehmer

13. Der Pantograph ist abgesenkt, lässt sich aber hochfahren.

Abgesenkter Stromabnehmer der Grubenlok mit Feder und Schleifstück

14. Das Führerhaus. Die Lok lässt sich nicht starten — kein Strom auf der Leitung.

Führerstand der Grubenlok: Fahrschalter, Bremshandrad und rostiger Apparateschrank

15. Sie wird keine Förderwagen mehr hinter sich herziehen.

Grubenlok mit einer Lore, verlassen im Gras neben dem Gleis

16. Das Portal kommt in Sicht.

Loren auf dem Gleis, voraus taucht der gelbe Rahmen des Stollenmundlochs auf

17. ELEKTROVOZI! Man spürt den sowjetischen Einfluss — das Wort kam mit ziemlicher Sicherheit aus dem Russischen :) Im Albanischen gibt es nichts, das diesem Wort etymologisch nahekommt.

Rostiges Schild mit Warnung vor Fahrdraht und Grubenlok — elektrovozi

18. Unverladenes Erz liegt noch in den Wagen.

Lore, noch beladen mit vertrocknetem, rissigem Chromiterz

19. Kaputte Förderwagen liegen neben der Schmalspurbahn, inzwischen ein Müllhaufen.

Zerschlagene Lorenkästen neben dem Schmalspurgleis, als Müllhalde benutzt

20. Schrott.

Schrotthaufen: Lorenrahmen und Radsätze vor dem Werkstattgebäude

21. Ganz in der Nähe ist ein Škoda-Laster in die Brombeeren hineingewachsen.

Škoda-Lastwagen, der in den Brombeeren neben den Minengebäuden verrostet

22. Ein Busch sitzt am Steuer.

Front des verlassenen Škoda-Lastwagens, durch dessen Fahrerhaus Sträucher wachsen

23. Und hier ist das Portal mit dem Wächterhäuschen darüber.

Das Stollenmundloch mit dem direkt darüber gebauten Wächterhäuschen

24. Vorsicht vor Katzen auf dem Gelände. Wenn du eine siehst, füttert sie jemand in der Nähe. Diese hier hatte gerade gefressen.

Katze im Fenster des Wächterhäuschens über dem Stollenmundloch

Obwohl am Tor ein Vorhängeschloss hing, war es so verbogen, dass man sich leicht hindurchzwängen konnte — leicht, wenn man dünn genug war. Mein Kumpel passte einfach nicht durch. Ich war schon drin, er noch draußen. Aus Angst, die Oberleitung könnte unter Strom stehen, versuchte er vorsichtig, über das Tor zu klettern, ohne sie zu berühren. Ich hänge am Tor und versuche ihm zu helfen, als ich plötzlich sehe, wie ein Kerl auf einem Moped auf das Portal zukommt. Er hatte offensichtlich nicht erwartet, hier Fremde vorzufinden, und starrte uns verdutzt an. Wir mussten wieder raus und mit ihm reden. Es stellte sich heraus, dass er der Wächter des Bergwerks war, der mit einer Einkaufstüte zu seinem Häuschen über dem Portal zurückkehrte. Nachdem wir uns mit ihm über das Bergwerk unterhalten hatten, fragte ich, ob er uns einen Blick hineinwerfen lassen würde — aber er sagte nein. Wir mussten abfahren, ohne das Bergwerk selbst gesehen zu haben.


Teil 2. Ein erfolgreicher Einstieg.

Ein paar Monate später hatten wir Besuch aus China und Norwegen — was uns einen guten Grund gab, das Bergwerk erneut zu besuchen. Diesmal kamen wir nachts und gingen zu Fuß zum Gelände. Der Wächter hatte aus unserer ersten Begegnung gelernt und Vorkehrungen getroffen. Viele Mittel hatte er allerdings nicht, also lehnte er ein klapperndes Stück Schrott ans Tor, klemmte einen Stock zwischen die Flügel und stationierte irgendwo weit weg einen halbtauben Hund. Wir zwängten uns durchs Tor und machten uns daran, das Bergwerk zu erkunden.

25. Dieses Bergwerk wurde von mehreren Sohlen aus betrieben, wobei die interessantesten Teile ab 650 Metern und darunter beginnen. Die Sohlen darüber wurden fast komplett von Hand aufgefahren. Sohle 650 liegt praktischerweise auf Geländeniveau und diente dem Erztransport. Ursprünglich erfolgte der Abstieg zu den unteren Sohlen über Schrägschächte (ca. 30°). Später wurde ein vertikaler Schacht von 650 auf 500 abgeteuft, der drei Sohlen verband. Bei unserer Erkundung stellte sich heraus, dass die unterste Sohle geflutet war — und über dem Wasserspiegel wartete eine unsichtbare Überraschung auf Besucher, doch dazu später mehr.

Schematischer Schnitt der Chrommine mit Sohlen von 450 bis 900 Metern und dem Schacht

26. Sohle 650 ist recht klein — nur etwa ein Kilometer Fußweg. Hier ist die Kreuzung vor dem Füllort.

Untertägige Abzweigung, wo zwei gewölbte Strecken vor dem Füllort zusammentreffen

27. Wir sind am Füllort angekommen. Ein Förderkorb ist an Ort und Stelle, der andere irgendwo unten.

Füllort auf der 650er Sohle mit Korbtür, hölzernem Schachtausbau und Gleisen

28. An den Wänden hängen Schilder: Signalkodes, Sicherheitsvorschriften, Schichtein- und -ausfahrtzeiten.

Signaltafel und Seilfahrtzeiten der Schicht an der Wand des Füllorts

29. Der bequeme Stuhl des Anschlägers.

Platz des Anschlägers — ein ausgebauter Autositz neben den Signaldruckknopfkästen

30. Ein furchterregender Schaltschrank der Elektroautomatik.

Schlagwettergeschützte Schaltanlage an der Wand des Füllorts

31. Blick in den Schacht.

Blick hinab in den Schacht mit hölzernen Spurlatten und den Seilen in der Tiefe

32. Wir öffneten den Förderkorb.

Der geöffnete Förderkorb im Schacht, mit gelochten Wänden und Gleisboden

33. Wo ein Schacht ist, gibt es auch eine Fördermaschine. Ab zur Maschinenhalle.

Gittertür zum Fördermaschinenraum, daneben Druckluftbehälter und Kompressor

34. Der Kompressorraum.

Kompressorenraum mit einem elektrischen Kompressor und blauem Druckluftbehälter

35. Noch ein Kompressor und ein Druckluftbehälter.

Zweiter Kompressor mit rotem liegenden und hohem gelben Druckluftbehälter

36. Wir betreten die Maschinenhalle.

Die Fördermaschine: Trommel, Motor und Getriebe im überfluteten Maschinenraum

37. Wunderschön! Eine teilweise geflutete Halle mit der gesamten Ausrüstung noch an Ort und Stelle.

Überfluteter Maschinenraum, in dem Fördermaschine, Steuerpult und Technik erhalten sind

38. Ein Schrank mit POG-8 Selbstrettern.

Schrank mit POG-8-Selbstrettern an der Wand des Fördermaschinenraums

39. Gründlich verschimmelt.

Selbstretterschrank, dicht von weißem Schimmel überwachsen im feuchten Maschinenraum

40. Der Arbeitsplatz des Fördermaschinisten.

Steuerpult des Maschinisten mit Anzeigen, farbigen Tastern und einem Monitor

41. Die Rückenlehne mit Brettern abgestützt, darüber eine Art Schafsfellmantel geworfen. Eine Heizung an den Füßen. Gemütlichkeit pur!

Maschinistensitz, mit Brettern abgestützt und mit einem Schaffell bedeckt, Heizlüfter zu Füßen

42. Ein Gestell mit Anlasswiderständen für den sanften An- und Auslauf der Fördermaschinenmotoren.

Gestell mit Anlasswiderständen entlang der Wand der betonierten Strecke

43. Ich klettere in den Schrägstollen, durch den die Seile von der Trommel laufen. Seilscheiben!

Zwei große Speichen-Seilscheiben mit den darüber laufenden Förderseilen

44. Blick nach unten von den Seilscheiben.

Blick hinab in den betonierten Blindschacht von den Seilscheiben aus

45. Zurück am Füllort. Eine amüsante Sicherheitserinnerung: Kujdes! Ruaj veten dhe shokun. — Achtung! Passe auf dich und deinen Kumpel auf.

Fülloritür mit albanischen Sicherheitsschildern Kujdes! Ruaj veten dhe shokun

46. Ich beginne den Abstieg in den Schacht mit eingeschaltetem Gasanalysegerät. Einer der Bühnen nahe dem Einstieg. Das Leiternabteil ist recht solide gebaut — an Metall wurde nicht gespart.

Im Fahrtentrum des Schachts: Gitterverschlag und Leitern, die zum Licht hinaufführen

Ich steige als Erster ab, weil ich das Gasanalysegerät habe. Auf jeder Bühne werfe ich einen Blick darauf. Nach etwa 50 Metern Abstieg bemerke ich, dass der Sauerstoffgehalt zu sinken beginnt — von den normalen 20,9 % auf 20 %. Ich verlangsame mein Tempo und gehe noch ein paar Leitern weiter. Der Primäralarm löst aus, schon 19 %. Ich rufe nach oben, dass sie sich nicht beeilen sollen, werde selbst langsamer, gehe aber weiter. Eine Sprosse, dann ein Blick aufs Gerät. Und an einem Punkt sehe ich, dass über nur 4 Meter der Sauerstoff um ein weiteres Prozent gefallen ist — das Gerät schlägt jetzt ernsthaft Alarm.

47. Ich leuchte nach unten und versuche den Grund zu erspähen. Kein Förderkorb zu sehen — nur Wasser, das unten kräuselt. Es sieht so aus, als hätte das Grundwasser im Schacht ein Becken gebildet, und das verrottende Holz hat ein weiteres Becken geschaffen — unsichtbar und tödlich — aus Kohlendioxid. Nun gut, wird eben nichts. Ich steige ein paar Etagen hoch, wo es eine praktische Lücke im Leitergitter gibt, um ein Foto zu machen.

Blick durch das Gitter des Fahrtentrums hinab in den Schacht, quer verkeilte Trekkingstöcke

48. So eins. Chokedamp. Zeit umzukehren.

Der runde, betonierte Schacht, der unter der Fahrtenbühne abfällt

Auf dem Weg zum Schacht hatten wir einen seitlich abzweigenden Tunnel bemerkt. Die Grubenkarte deutet darauf hin, dass dort ein Schrägschacht sein sollte. Schauen wir nach.

49. Und tatsächlich. Hier ist die Fördertrommel. Ein Schrägschacht ist eine ältere, primitivere Technologie im Vergleich zum vertikalen. Der Abstieg durch einen Schrägstollen dauert länger, die Wartung ist aufwändiger — aber das Auffahren ist billiger. Für kleinere Bergwerke oder bei niedrigem technischem Niveau ist der Ansatz also gerechtfertigt.

Fördertrommel des Blindschachts mit Motor und Getriebe in der gewölbten Strecke

50. Übrigens ist der Tunnel so eng, dass man die Arme nicht ausbreiten kann. Nachdem der vertikale Schacht abgeteuft war, wurde dieser Stollen als Wetterstrecke umgenutzt, und im oberen (nicht einsturzgefährdeten) Abschnitt wurden die Schienen entfernt. Hier steht eine Pumpe mit einem grünen Schlauch, der in einem Loch in der Wand verschwindet. Darunter liegt die Einsturzzone.

Blaue Pumpe mit grünem Schlauch im engen Blindschacht, weiter hinten leuchtet eine Stirnlampe

51. Wir sind auf Sohle 500 abgestiegen. Das Gestein hier besteht hauptsächlich aus Chromit, durchsetzt mit weichem Chlorit, was bedeutet, dass es sich leicht verschiebt. Grundwasser strömt aktiv herein und flutet die Sohle. Das Wasser reicht fast an den Stiefelrand, aber zum Glück ist es gerade flach genug, um auf den Schienen zu laufen, ohne Wasser zu schöpfen.

Überflutete Strecke auf der 500er Sohle mit Stahlbogenausbau im trüben Wasser

52. Eine originale, längst verrostete Pumpe in einem Abzweig nahe dem Fuß des Schrägschachts.

Alte, durchgerostete Pumpe auf einem Fundament in einem Abzweig am Fuß des Blindschachts

53. Das Gestein ist instabil, färbt das Wasser aber wunderschön türkis :3

Türkisfarbenes Wasser über den Gleisen einer Bogenstrecke, im Seitenstoß ein Verbruch

54. Natürliche Farben, ich schwöre.

Lange überflutete Strecke: türkisfarbenes Wasser über den Gleisen und abgeplatztes Gestein

55. Sie bauten Chromit ab, stießen auf taubes Gestein und gruben nach rechts weiter.

Abzweig, wo die Bergleute taubes Gestein antrafen und den Seitenort versetzten

56. Ein malerischer Einsturz, komplett mit Förderwagen.

Lore neben einem Verbruch, der durch den Bogenausbau der Strecke hereinbricht

57. Die Holzverbäuung geht in Beton über; jemand hat hier überzählige Förderwagen abgestellt.

Ersatzloren, abgestellt im betonierten Abschnitt der Sohle

58. Das letzte Foto von dieser Sohle. Außerhalb des Bildes gibt es noch einen Schrägschacht, der zur tieferen Sohle 550 führt. Hier sieht man die Trommel zum Hochziehen der Förderwagen von Sohle 550 auf Sohle 600 — mit HANDKURBEL. Brutal. Die albanische Ankerwinde.

Handkurbelbetriebene Fördertrommel auf einem Holzgerüst in einer Seitenkammer

59. Es hat keinen Sinn, noch weiter runterzugehen — Überflutung und Gase. Zeit umzukehren.

Blindschacht mit Bogenausbau, der in die Ferne ansteigt, die Gleise halb im Schlamm

60. Hier durchquert der Schrägstollen eine Chloritmasse — äußerst weiches Gestein. Verlassene Chrombergwerke sind solche lustigen und sichere…

Stahlbogenausbau, vom weichen Chlorit im Blindschacht verdreht und zusammengedrückt

61. Während ich dieses Foto machte, hörte ich ein paar Meter entfernt Metall kratzen. Das Gestein bewegt sich. Eines Tages wird die Decke unweigerlich den Boden treffen — nur bitte nicht heute. Wir steigen auf.

Stark verformte Ausbaubögen im Blindschacht, zwischen den Steinen rinnt Wasser

Bis zum nächsten Mal!