Moderne Ziegelfabrik
Beschreibung
Eine kleine moderne Keramikfabrik, die einst bunte dekorative Verblendklinker herstellte. Sie schloss wegen eines Eigentumsstreits: Nach der Scheidung konnten die ehemaligen Eigentümer ihre gemeinsamen Schulden nicht aufteilen und stellten die Fabrik zum Verkauf — Käufer lassen jedoch auf sich warten, während andere, unternehmungslustigere Leute längst ein Loch in den Zaun geschnitten und sämtliche Elektroleitungen bis auf den letzten Meter mitgenommen haben.
Der Komplex besteht aus einer einzigen Halle mit zwei Schiffen, die Fabriken ähnlicher Art in anderen Ländern zum Verwechseln ähnelt — höchstwahrscheinlich nach einem standardisierten Schlüsselfertig-Entwurf gebaut und eingerichtet, eine Art „Fabrik all inclusive“. Im Inneren befinden sich ein Extruder, zwei Tunnelöfen, Dutzende von Trockenkammern, eine Büroabteilung und eine ehemalige Werkstatt. Der Bürotrakt hat Mobiliar, Aktenordner und etwas Bürotechnik bewahrt; im Umkleideraum sind noch Spinde, Duschen und Toiletten vorhanden — sowie ein riesiger und unheilverkündender Berg schmutziger Socken.
Das Hallendach hat Oberlichter, sodass im Inneren tagsüber die seltsame Illusion künstlicher Beleuchtung entsteht. Außerhalb der Halle haben Förderbänder und ein hoher Siloturm für Schüttgut überlebt. Zu den ungewöhnlicheren Merkmalen zählt ein Bierkiosk innerhalb der Halle. Die Öfen liefen offenbar auf Kohle; die Arbeiter auf Bier. Rohstoffe und Brennstoff wurden per Lkw angeliefert. Vor der Halle befand sich einst ein Freiluft-Fertigwarenlager — heute nur noch eine leere Fläche.
Das Torhaus ist geschlossen und verlassen, alles staubbedeckt und langsam von Spinnweben überwuchert. Man kann die Halle durch eine fehlende Wandsektion neben dem Förderband betreten, da Tore und Türen von innen verschlossen sind. Von außen wirkt das Gelände höchst rätselhaft — nirgendwo steht, dass es sich überhaupt um eine Fabrik handelt, mitten in Feldern steht einfach eine riesige blaue Halle. Am Tor hängt ein Verkaufsschild ohne jede Erklärung, nur mit einer Telefonnummer. Es gibt zwei Kameras, aber niemanden mehr, der in sie schaut. Hin und wieder kommt jemand, um das Gelände zu kontrollieren und das überwuchernde Gras zu schneiden.